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Familien- und Inklusionshotel Querleben – Auszeit für betroffene Familien

15.09.2022

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4 min

Das Familien- und Inklusionshotel Querleben in Mirow steht für Inklusion und Vielfalt und richtet sich vor allem an Familien mit behinderten, chronisch kranken oder pflegebedürftigen Kindern. Geschäftsführerin Christiane Thederan gründete die Beratungsstelle und das Hotel aus eigener Betroffenheit als pflegendes Elternteil heraus. Als einziges Projekt dergleichen in ganz Mecklenburg, bietet das Hotel einen besonderen Ort für betroffene Familien, an dem sie Urlaub machen können und Entlastung erfahren, inmitten der Mecklenburgischen Seenplatte.

Im Interview: Christiane Thederan

Geschäftsführerin des Familien- und Inklusionshotels Querleben

Wir verstehen uns als eine Art Zuhause auf Zeit für betroffene Familien. Hier hat alles seinen Raum: Trauer, Verzweiflung, Wut, Sekundenglück, Hoffnungen und Sehnsüchte, aber auch pure Lebensfreude.

Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern:

Das Hotel Querleben in Mirow wurde 2021 neu gegründet und folgt einem ganz besonderen Konzept. An wen richtet sich Ihr Angebot und welche Leistungen bieten Sie Ihren Gästen an? 

Christiane Thederan:

Unser Angebot richtet sich an alle Menschen, unabhängig ihrer Einschränkungen und Begabungen, in erster Linie aber an Familien mit behinderten, chronisch kranken und pflegebedürftigen Kindern und Jugendlichen.

Wir verstehen uns als eine Art Zuhause auf Zeit für betroffene Familien. Hier hat alles seinen Raum: Trauer, Verzweiflung, Wut, Sekundenglück, Hoffnungen und Sehnsüchte, aber auch pure Lebensfreude.

Bei uns können Familien gemeinsam mit ihren zum Teil schwerkranken Kindern Urlaub machen und Entlastung erfahren. Bei Bedarf stellen wir die Versorgung und Betreuung des Kindes auch 24 Stunden sicher. Den Eltern stehen drei kleine Appartements zur Verfügung, sie können sich selbst versorgen, mal ihren eigenen Bedürfnissen nachgehen, können aber auch jederzeit gemeinsam in den Räumlichkeiten des familienentlastenden Dienstes verweilen.

Zu unseren Angeboten für betroffene Familien gehören ambulante Kinderintensivpflege und Assistenzleistungen, familienentlastender Dienst und Kurzzeitpflege, Beratungsstelle für Familien mit behinderten, chronisch kranken und pflegebedürftigen Kindern, Inklusionshotel oder Kurzzeitwohnen für Familien mit schwerkranken Kindern sowie das Familiencafé „inklusiv“ (1. Samstag im Monat).

TMV:

Wie definieren Sie Qualität und welche Maßnahmen ergreifen Sie, um der Zufriedenheit und dem Anspruch der Gäste gerecht zu werden?

Thederan:

Qualität in Bezug auf das Inklusionshotel bedeutet, dass wir Familien eine hotelähnliche und familiäre Atmosphäre anbieten. Wir verzichten bewusst auf einen klinischen Einrichtungsstil. Familien, die zu uns kommen, brauchen zum Beispiel Zeit und Raum für entlastende Gespräche und für kreative Angebote. Dies erfordert einen hohen Personaleinsatz, da wir fast ausschließlich in einem 1:1 Setting arbeiten.

Um diese Qualität zu sichern, werden unsere Mitarbeiter laufend weitergebildet, unter anderem zur Fachkraft für Palliative Care oder zur Fachkraft für Autismusspektrumsstörungen.

Durch unseren intensiven Dialog mit den Familien, erweitern wir stets unsere Einrichtung im Hinblick auf Konzept und Ausstattung. Wir verstehen uns als lernende Organisation, das heißt, durch intensiven Austausch aller Beteiligten untereinander entwickeln wir uns weiter.

TMV:

Welche Werkzeuge und Prozesse haben Sie in Ihrem Unternehmen etabliert, um eine Qualitätssicherung und -verbesserung umzusetzen?

Thederan:

An erster Stelle stehen die kontinuierlichen Weiterbildungen unserer Mitarbeiter, die dabei helfen, das richtige Werkzeug und Sicherheit zu geben.

Darüber hinaus setzen wir aber auch auf externe Fachberatung, um unser Angebot stets zu verbessern. Als Mitglieder im Bundesverband Kinderhospiz, Bundesverband für verwaiste Eltern und trauernde Geschwister und im Paritätischen Wohlfahrtsverband MV, erhalten wir zusätzliche Unterstützung und sind Teil eines bundesweiten Netzwerkes.

Intern helfen uns bereichsübergreifende Teamrunden, Dienstberatungen, Supervision und Einzelgespräche, das Team zu stärken und individuell auf unsere Mitarbeiter einzugehen. Ein weiteres Qualitätswerkzeug ist unser hausinternes Qualitätsmanagement-Handbuch, das sich speziell dem Kinderschutz und der Intensivpflege widmet und eigenständig entwickelt wurde. Durch Elterngespräche können wir speziell auf die Wünsche der Familien eingehen und im direkten Austausch bleiben, um den Aufenthalt für jede Familie individuell zu gestalten.

TMV:

In diesem Jahr wurde Ihr Betrieb als familienfreundlich ausgezeichnet. Wie sind Sie auf das Siegel aufmerksam geworden? Warum haben Sie Ihr Angebot zertifizieren lassen?

Thederan:

Pflegenden Familien fällt die Auswahl des Urlaubsortes nicht leicht. Kurzzeitpflegeplätze sind in ganz Deutschland rar, Unterkünfte sind primär nicht auf Familien mit behinderten und pflegebedürftigen Kindern ausgelegt.

Als einziges Projekt dergleichen in ganz Mecklenburg, wollten wir uns sichtbar machen. Wir sind familienfreundlich und möchten insbesondere „besondere Familien“ ansprechen.

TMV:

Wie schaffen Sie es, Ihre KollegInnen mitzunehmen und das Thema Qualitätsmanagement weiter voranzubringen?

Thederan:

Durch intensive Kommunikation. Alle Mitarbeiterinnen stehen in Kontakt mit betroffenen Familien, sie erfahren aus erster Hand, welche Bedarfe, welche Wünsche und Sorgen betroffene Familien haben. Durch den besonderen Fokus im Bereich der Kinderhospizarbeit, sind die Mitarbeiter insbesondere im Umgang mit den betroffenen Familien geschult und können und wollen entsprechend reagieren. Wir hören auch „zwischen den Zeilen“. Da wird dann der Lieblingskuchen gebacken oder Herzenswünsche, manchmal sind es auch die letzten Wünsche, erfüllt. Das Wichtigste in unserer Arbeit ist der Dialog und die Zeit. Bei uns gibt es keine Tabus. Wir arbeiten krisenpräventiv, das heißt, das Ziel ist immer, dass die betroffenen Familien gestärkt und entlastet nach Hause fahren. Während der Aufenthalte wächst man mit den Familien zusammen, man wird eine Familie oder ein Zuhause auf Zeit.

TMV:

Welche Ziele haben Sie sich für die nächsten drei bis fünf Jahre gesetzt?

Thederan:

Wir möchten, dass jede betroffene Familie in MV die Unterstützung, Beratung und Entlastung erhält, die sie benötigt. Wir verstehen uns als Lotsen durch das Dickicht im Alltag mit einem behinderten Kind. Wir vernetzen Fachkräfte und Betroffene. Wir möchten die Anlaufstelle für Betroffene und Interessierte in MV sein. Wir möchten die Finanzierung auf sichere Füße stellen, unser Angebot etablieren und uns kontinuierlich weiterentwickeln.

 


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