Wie KMU Ökowertpapiere für freiwillige Nachhaltigkeitsberichte nutzen können
26.08.2026
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Nachhaltigkeit hängt nicht von der Unternehmensgröße ab, sondern von der Haltung. Wer Verantwortung übernehmen will, kann klein anfangen – mit einer Waldaktie, einem MoorFutures oder einem HeckenScheck.
Im Interview: Dr. habil. Thorsten Permien
Referat Naturbasierte Lösungen, Nachhaltigkeit, Klimagerechtigkeit
Die Natur selbst ist das wichtigste Kapital der Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern.
MV Tourismus GmbH:
Wenn über Nachhaltigkeit im Tourismus gesprochen wird, geht es oft um Energieverbrauch, regionale Lebensmittel oder Müllvermeidung. Sie sagen dagegen: Die Natur selbst ist das wichtigste Kapital der Branche. Warum?
Dr. Thorsten Permien:
Weil touristische Betriebe weit mehr verkaufen als Zimmer, Stellplätze oder Eintrittskarten – sie verkaufen Erlebnisse: den Sonnenaufgang an der Ostsee, den Spaziergang durch den Mischwald, die Ruhe eines intakten Moores. Die Landschaft ist damit kein schöner Rahmen, sondern ein wesentlicher Bestandteil des touristischen Angebots. Wer sie erhält und weiterentwickelt, investiert unmittelbar in die Zukunft des eigenen Unternehmens.
MV-T:
Was bedeutet das ganz konkret für Hotels, Campingplätze, Ferienanlagen oder andere touristische Betriebe?
Permien:
Viele Betriebe investieren selbstverständlich in Gebäude, Ausstattung oder Digitalisierung. Weniger selbstverständlich ist die Erkenntnis, dass auch die Natur vor der eigenen Haustür ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor ist: Intakte Wälder, Moore und Hecken erhöhen die Attraktivität einer Region und machen Urlaub zu einem besonderen Erlebnis. „Ökowertpapiere" eröffnen Unternehmen die Möglichkeit, gezielt in dieses Naturkapital zu investieren – frei nach dem Motto: „Wir wirtschaften mit dem Naturkapital unserer Region. Deshalb investieren wir bewusst in dessen Erhalt!"
MV-T:
Die Waldaktie gibt es seit fast 20 Jahren. Welche Möglichkeiten bieten „Ökowertpapiere" heute darüber hinaus?
Permien:
Die Waldaktie wurde 2007 mit dem Tourismusverband MV und der Landesforstanstalt entwickelt, um Reise-Emissionen durch Baumpflanzungen auszugleichen. Die heutige Perspektive geht weiter: Naturerhalt ist unternehmerische Zukunftssicherung. Neben der Waldaktie gibt es inzwischen MoorFutures für die Wiedervernässung von Mooren, den Streuobstgenussschein und den HeckenScheck für neue Hecken. Alle stärken Klimaschutz, Biodiversität und die Qualität unserer Kulturlandschaft – sichtbar und nachvollziehbar direkt in der Region.
MV-T:
Ist das nicht einfach eine andere Form des Sponsorings?
Permien:
Nein. „Ökowertpapiere" finanzieren konkrete Maßnahmen mit messbarer ökologischer Wirkung, basieren auf einem Standard und stehen unter Trägerschaft des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Für Unternehmen entsteht so eine glaubwürdige Verbindung zwischen wirtschaftlichem Erfolg und Engagement für die Region – das schafft Vertrauen bei den Gästen.
MV-T:
Das Wälder und Moore eine große Klimarelevanz haben, ist mittlerweile bekannt. Was hat es mit dem HeckenScheck auf sich?
Permien:
Eine Hecke ist mehr als eine Grundstücksbegrenzung: Sie bindet Kohlenstoff wie eine Aufforstung, schützt Böden vor Winderosion und Austrocknung, bietet Lebensraum für zahlreiche Tierarten, verbindet Lebensräume miteinander und prägt vielerorts das charakteristische Landschaftsbild Mecklenburg-Vorpommerns. Für touristische Betriebe bietet der HeckenScheck zudem die Chance, gemeinsam mit Gemeinden, Landwirtinnen, Landwirten oder Gästen selbst aktiv zu werden – die Einstiegshürde ist niedriger als bei Wald oder Moor. Wer bei einer Pflanzung dabei war, blickt anders auf die Landschaft und erzählt diese Geschichte gern weiter.
MV-T:
Warum lohnen sich freiwillige Nachhaltigkeitsberichte, die sogenannten VSME, gerade für kleinere und mittlere Betriebe und wie können Ökowertpapiere dabei unterstützen?
Permien:
Weil viele Betriebe sich bereits engagieren – für regionale Lieferketten, Energieeffizienz oder Naturprojekte –, dies aber kaum kommunizieren. Ein kompakter Bericht schafft Transparenz gegenüber Gästen, Mitarbeitenden und Banken und zeigt: Nachhaltigkeit hängt nicht von der Unternehmensgröße ab, sondern von der Haltung. Wer Verantwortung übernehmen will, kann klein anfangen – mit einer Waldaktie, einem MoorFutures oder einem HeckenScheck. Entscheidend ist, dass das Engagement glaubwürdig bleibt und zum eigenen Unternehmen passt. Mit dem VSME – dem freiwilligen Nachhaltigkeitsstandard für nicht börsennotierte KMU – steht dafür seit Kurzem ein einheitlicher, praxisnaher Rahmen zur Verfügung. Die Natur ist das wichtigste Kapital des Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern. Wer heute in ihren Erhalt investiert, stärkt Klima und Biodiversität – und damit auch das eigene Unternehmen und die Attraktivität unseres Landes als Reiseziel.
MV-T:
Vielen Dank für das Interview. Weiterführende Informationen zu den Ökowertpapieren unter www.z-eco.de und zu „Nachhaltigkeitsleistungen erfolgreich berichten" unter tourismus.mv/artikel/nachhaltigkeitsleistungen-erfolgreich-berichten.